Historisches zur Flößerei: „Legendär: Wie Sachsenhauser den Raubritter Judas vom Teufelsnest besiegte“

Wir haben an dieser Stelle bereits die Sage über den Raubritter Konrad Sachsenhauser erzählt, der den Wolfratshauser Flößern arg mitgespielt haben soll. Wer sich jedoch noch tiefer in die fabelhafte Welt der Sagen und Legenden rund um Wolfratshausen begibt, findet ihn geläutert, ja als Wohltäter für seine Untertanen und sogar als Unterstützer der Flößer wieder. Vielleicht war es aber auch einer seiner Nachfahren, die sich zum Besseren bekehrt haben. Zum Beispiel gab es wirklich einen Schäftlarner Propst Konrad Sachsenhauser. Er hat von 1320 bis 1346 gelebt und bei Kaiser Ludwig dem Bayern wichtige Privilegien für den Keferloher Markt erwirkt.

So oder so… in der folgenden Sage vom „Raubritter Judas vom Teufelsnest“ besiegt jedenfalls ein „guter“ Sachsenhauser den grausamen Ritter Judas.

An der Schwelle zum 14. Jahrhundert soll in Einöd zwischen Geretsried und Bad Tölz eine gewaltige Ritterburg gestanden haben, die von allen nur „das Teufelsnest“ genannt wurde. Ihr Herr war der weithin gefürchtete Raubritter Judas, ein Wüstling, der das einfache Volk quälte und für seine große Gier nach allem bekannt war, was nicht sein eigen war. Und so ließ auch so mancher Flößer bei der Verteidigung seiner ihm anvertrauten Waren sein Leben.

Auch bangten viele Eltern um ihre hübschen Töchter, denn Judas war als Frauen-Schänder bekannt. Und so versteckten sie deren langen Zöpfe mit groben Tüchern und beschmierten die zarten Gesichter mit Schmutz, um sie vor seinen Blicken zu schützen. Doch Judas Gier war groß, erblickte er ein junges Gesicht mit strahlenden Augen, gab es kein Halten mehr. Er ließ dem Mädchen auflauern, es sogar in finsterer Nacht aus dem Hause seiner Eltern entführen und zu sich in die Burg bringen.

In Wolfratshausen lebte zu dieser Zeit die schöne Beate, die sehr verliebt war in den Tölzer Floßmeister Gregor Wellinger. Sie wollten heiraten und eine Familie gründen. Doch Judas machte dem jungen Glück einen Strich durch die Rechnung. Bei einem Raubzug entlang der Isar war sie ihm vors Pferd gelaufen und er hatte sich sofort in sie verliebt. Doch an die hübsche Blonde heranzukommen, war äußerst schwierig – was ihn tatsächlich noch mehr reizte -, denn er wusste, Beate war die Nichte der berüchtigten Wolfratshauser Wirtin Rena Zapf. Und die wiederum war die Geliebte und Komplizin bei so manchem krummen Geschäft des Richters Ganter, der auch Pfleger der Wolfratshauser Burg war. Übrigens: Rena und Ganter haben auch den Ortsheiligen Nantwein auf dem Gewissen. Aber das ist eine andere Geschichte…

Zurück zur heutigen Sage: Keiner seiner Verbündeten traute sich, Beate dem weibernarrischen Ritter heranzuschaffen. Die Geschichte war ihnen einfach zu heikel: Aus Rache könnte Ganter doch kurzerhand – wie beim hl. Nantwein – ein Blutgericht mit Todesurteil aussprechen und vollziehen lassen. Denn der Richter hatte die Macht dazu, weil die herzogliche Wolfratshauser Burg die Hochgerichtsbarkeit, also das „Recht des Schwertes“, inne hatte.

Schließlich rief Ritter Judas eine Belohnung aus: einen Beutel mit 100 Dukaten sowie einen wertvollen goldenen Bogen samt Pfeil, den er, wie der Schurke offenbarte, bei einem Überfall auf ein Floß einem venezianischen Kaufmann gestohlen hatte.

Davon ließ sich einer seiner alten Kämpen, ein Schlitzohr namens Simon, überzeugen. Er wusste von der Geldgier der Wirtin. Also bestach er sie mit ein paar Münzen, sodass die Wirtin ihm bereitwillig half, das Mädchen in die Hände des ritterlichen Verführers zu treiben. Sie tischte ihrer Nichte eine Lügengeschichte auf, nämlich, dass deren Verlobter sie in der kommenden Nacht beim Isarspitz treffen wollte. Als Beate nach Anbruch der Dunkelheit dann tatsächlich heimlich durch den Wald schlich, wurde sie dort von Simon gepackt und in die Burg des widerlichen Judas verschleppt.

Doch Beate wollte dem Unhold nicht gefügig sein und sträubte sich ihm mit aller Kraft. Aus Wut über ihr Widerstreben verdammte sie das Scheusal in sein finsterstes Verlies. Dort saß die Arme dann gefesselt mit eisernen Spangen und weinte sich die Augen aus vor Angst über ihr weiteres Schicksal. Und, weil sie nicht wusste, ob sie ihren geliebten Flößer jemals wiedersehen würde.

Simon, als ihr Wächter bestimmt, bereute derweilen bald seine schändliche Tat. Er hatte doch Mitleid mit dem jungen Mädchen, wie er es so jämmerlich leiden sah. So sann er über einen Plan, der Beate die Flucht ermöglichen sollte. Er war es dann auch, der die Gefängnistür öffnete und ihr die schweren Fesseln löste. Zu zweit schlichen sie unbemerkt durch geheime Gänge aus der Burg hinaus und flüchteten auf verschlungenen Wegen nach Königsdorf. Aus Angst, doch noch von Judas entdeckt zu werden, sprach Simon das Gelübde aus, den goldenen Pfeil und Bogen der Königsdorfer Kirche St. Laurentius zu spenden, wenn sie heil ankämen. Tatsächlich gelangten sie unbemerkt zum Haus des Floßmeisters Georg Wellinger. Als dieser erfahren hatte, was sich alles zugetragen hatte, gab es für ihn nur eine Lösung, wollte seine Beate nicht noch einmal an den ekelhaften Ritter verlieren: Es blieb nur die Flucht ins Kloster Beuerberg.

Der Abt des Klosters brachte schließlich den Stein ins Rollen, der Judas erst seine Burg und zuletzt dann auch sein Leben kosten sollte. Und jetzt kommt unser Konrad Sachsenhauser ins Spiel: Der Abt unterrichtete den Sachsenhauser in Baierbrunn von den Taten Judas‘ und bat ihn um Beistand, die dieser auch prompt zusagte. Dazu wurden alle wehrfähigen Männer aus der Umgebung zusammengerufen, sogar der Herzog aus München sandte Leute zur Unterstützung.

Und so gelang es gemeinsam, Burg Teufelsnest zu erstürmen. Judas und seine Mannen wurden gefangengenommen, in München verurteilt und dem Henker übergeben. Seine Burg wurde komplett zerstört.

Simon aber hielt sein Gelübde ein und überbrachte der Kirche Pfeil und Bogen.

Bildunterschrift: Die Raubritter spielten den Wolfratshauser Flößern arg mit. So auch Judas, der seine Burg „Teufelsnest“ bei Einöd gehabt haben soll. Unser Foto zeigt eine Aufnahme des Kaltenberger Ritterturniers 2014, bei dem man heute noch einen guten Eindruck vom Mittelalterlichen Leben bekommt.

Dies ist ein Gastbeitrag von Sabrina Schwenger, Redakteurin & Freie Journalistin für den Flößerstraßenverein e.V.

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