„Ich wollte einfach, dass die Leute singen“ – Tom Sesto bekommt Kulturpreis

Sie haben 43 Jahre lang den „Waldramer Chor“ geleitet, wie kam es dazu?

Das war eine stete Entwicklung. Ich fing mit 5. und 6.Klässlern an, dann kamen irgendwann die 7., 8. und 9. Klassen dazu sowie die Grundschüler. Später wollte ich auch diejenigen dabei haben, die von der Schule weggegangen sind und es kamen die Realschüler und Gymnasiasten dazu und schließlich fingen auch noch die Eltern, die schon früher im Chor gesungen hatten, wieder an. So wurde es ein sehr gemischter Haufen. In unserer „Sturm und Drang-Zeit“ waren es etwa 220 Leute, die dann zusammen auf der Bühne standen. Ich wollte einfach, dass die Leute singen. Bei Hochzeiten z.B. habe ich immer gesagt, wer kommen möchte, der soll kommen und so hat das jahrelang funktioniert.

Was hat Ihnen am meisten Spaß gemacht?

Die Konzerte. Meistens waren wir so vorbereitet, dass ich nur am Klavier saß und die Leute begleitet habe, ein bisschen habe ich mit Kopf und Mund dirigiert, aber sie wussten was sie tun sollten. Das hat sehr gut funktioniert. Nur den Schluss habe ich dann meistens gegeben. Die Konzerte waren am schönsten. Normalerweise haben wir uns 2, 3 Monate vorbereitet. Nachdem wir ein gewisses Niveau erreicht hatten, wurden wir immer wieder hier und dort eingeladen. Natürlich war das nicht das Niveau eines Tölzer Knabenchors, aber wir waren für die wenige Übungszeit trotzdem sehr gut.

Gibt es Ereignisse, die Ihnen besonders in Erinnerung geblieben sind?

Wir waren ein paar Mal in der Loisachhalle und durften mit Vico Torriani, einem Schweizer Schlagersänger, der auch in Deutschland und Italien bekannt war, mitsingen. Ab und zu haben wir auch bei Studioaufnahmen mitgearbeitet, aber dort waren die Jugendlichen eher als Diskussionspartner für die Künstler gedacht und sollten Fragen beantworten. Bei einer solchen Gelegenheit habe ich die damals 13 oder 14 Jahre alte Anke Engelke kennen gelernt, die zwar sehr aufgeregt, aber schon damals unglaublich redegewandt war. Das werde ich nie vergessen. Die Erlebnisse mit den Medien waren schon immer recht eindrucksvoll, aber auch unsere regelmäßigen Konzerte, die nur selten ausfallen mussten, werden mir in Erinnerung bleiben.

Sie haben jetzt aber nicht komplett mit der Musik aufgehört?

Nein, endlich habe ich genügend Zeit für mich und kann jetzt fast jeden Tag 1,5 bis 2 Stunden an der Orgel üben. Ich bin mit meinen Fähigkeiten noch nicht ganz zufrieden und möchte noch besser werden. Ich singe auch selber, bin als Kantor in Gelting angestellt und spiele auch ab und zu in Münsing, Ammerland, Waldram usw. Außerdem habe ich noch ein paar Saxophonschülerinnen und einige Klavierschüler. Der Sport fällt jetzt auch weg, ich war jahrelang Basketballtrainer in Waldram und habe damals auch die Abteilung gegründet. Doch nun möchte ich mich vor allem auf das Orgelspielen konzentrieren.

Haben Sie einen Wunsch wie es weiter geht?

In meinem jungen Alter eigentlich nicht mehr. Ich könnte spontan immer etwas organisieren, aber allmählich wird mir das schon zu viel, ich möchte mich lieber auf mich konzentrieren und an meiner Orgel sitzen, da werde ich unterstützt von der Pfarrei und habe alle Freiheiten. Aber wenn mich jemand braucht, dann würde ich auch schnell eine Gruppe zusammentrommeln und etwas vorbereiten.

Was gefällt Ihnen an Wolfratshausen?

Ich mag das Leben hier. Es gibt alles was mir gefällt, die Musikmöglichkeit, den Sport, alle meine vier Kinder haben Basketball bei mir gespielt. Ich habe hier mehrere Freiheiten, die ich genießen kann.

 

Lebenslauf

Tomas Sesto ist 1939 in Portland, Maine geboren, startete seine schulische Laufbahn in einem Internat in New York und dem College in New Jersey. Nach zwei Jahren Studium zog er nach Rom, um Philosophie zu studieren und arbeitete dann als Grund- und Hauptschullehrer in Beirut in Libanon. Als Französischlehrer kehrte er eine Zeit lang nach Boston zurück und kam schließlich nach Benediktbeuren, wo er Theologie studierte. Dort bekam er 1970 eine Stelle als Englisch- und Sportlehrer in Waldram angeboten. Die Familie lebte zwar kurzzeitig wieder in Amerika, blieb aber letztendlich doch in Waldram, wo Herr Sesto dann auch als Religionslehrer arbeitete, bis er vor 13 Jahren in den Ruhestand ging. Außerhalb der Schule war er auch in seiner Freizeit sehr aktiv und gründete die Basketballabteilung und den Chor in Waldram.

 

Der Wolfratshauser Kulturpreis:

Der Kulturpreis wird von der Stadt Wolfratshausen für herausragendes künstlerisches und kulturelles Wirken verliehen. Die Entscheidung darüber trifft der Stadtrat. Der Preisträger wird in feierlichem Rahmen mit einer Wolfsplastik, einer Urkunde und einem Preisgeld geehrt.

 

Interview, Text und Foto von Veronika Graf

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