Josef Wilfling über die Faszination des Bösen

Der langjährige Leiter der Münchner Mordkommission war zu Gast in unserer Stadtbücherei und zog die anwesenden Besucher mit seinem Vortrag über das Böse vollkommen in den Bann.

Von 1987 bis 2009 war Josef Wilfling Chef des 30-köpfigen Ermittlerteams bei der Kripo München und leitete zahlreiche Mordermittlungen, darunter auch so aufsehenerregende Mordfälle wie die Morde an Walter Sedlmayr und Rudolph Moshammer.

Gleich zu Anfang räumte Wilfling mit dem Vorurteil auf, dass die Kommissare in den Fernsehserien auch nur annähernd der Realität entsprächen. Von wegen kaputte Typen, Säufer oder frisch geschieden, das sei ein reines Klischee, nur ein Till Schweiger könne es sich erlauben, vormittags drei und nachmittags nochmals einen Bösewicht zu erschießen. Bei der Mordkommission sind keine Einzelkämpfer gefragt, sondern eine Mordermittlung ist eine intensive Teamarbeit. „Keiner kann einen Mordfall alleine klären“, so Wilfling. Zu seiner Zeit waren die Mordermittler in fünf Teams mit je sechs Mitarbeitern eingeteilt.

Volles Haus in den neuen Räumen Stadtbücherei

Wilfling lässt die über 50 Zuhörer tief in die Abgründe der menschlichen Seele blicken und auf einmal wird es ganz still in den neu renovierten Räumlichkeiten der Stadtbücherei. Jeder könne zum Täter werden und die Tatmotive sind so alt wie die Menschheit. Besonders groß seien die Gewaltverbrechen im menschlichen Nahbereich, Beziehungstaten stehen im Vordergrund. Habgier, Eifersucht, Hass oder Neid sind die Auslöser und jeder Bilderbuchfamilie kann das Verbrechen passieren. Dabei sei Alkohol der größte Arbeitgeber der Polizei, denn unter dem Einfluss von Alkohol sinken die Hemmschwellen.

Wilfling signierte nach seinem spannenden Vortrag

Zum Lachen brachte der gebürtige Franke die Zuschauer mit der kurzweiligen Schilderung, wie er einen Ehegattenmörder überführte. Bereits zweimal hatte der Gatte seine Ehefrau von einem Bergvorsprung gestoßen und sie anschließend mit einem Stein erschlagen. Glaubwürdig und tief getroffen schilderte er einen tragischen Bergunfall, nur hatte er übersehen, für seine Frau auch eine Rückfahrkarte zu lösen.

Seine Erlebnisse hat Wilfling nach Eintritt in den Ruhestand literarisch in Büchern verarbeitet. Inzwischen sind drei Bände von ihm erschienen: „Abgründe“, „Unheil“ und „Verderben“ heißen die Titel, die an diesem Abend käuflich in der Stadtbücherei erworben werden konnten. Nach dem Vortrag konnte man sich  die Bücher signieren zu lassen.

Auf Krimiautoren angesprochen, erklärt Wilfling, dass die Taten der Autoren nichts seien im Vergleich zur Realität. Diese sei oft so abgründig und grausam, dass man diese weder verfilmen noch in Buchform bringen kann. Zum Schluss gibt Josef Wilfling einen positiven Ausblick und kann die Zuhörer beruhigen. Deutschland stehe weltweit bei den Tötungsdelikten auf einem der letzten Plätze.

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