Der Flaucher und die Flößerei: Flößer bei Bürgerfest „175 Jahre Flaucheranlagen“ in München

Der „Flaucher“ – das ist ein weithin bekannter Begriff für Freizeitgenuss an der Isar in München. Vergangene Woche wurde der 175. Geburtstag der Anlage mit einem großen Fest auf der Flaucherwiese gefeiert. Fehlen durften da natürlich nicht unsere Wolfratshauser Flößer Franz und Sepp Seitner, der Arzbacher Flößer Michael Angermeier und der Lenggrieser Holzhacker- und Flößerverein. Toni Merk, Mitglied des Holzhacker- und Flößervereins, ließ sich beim Wickeln der Wieden über die Schulter schauen. Wieden, das sind die Schlaufen an denen die Ruder befestigt sind. „Das Leben eines Flößer hängt an seiner Wiede“, sagt man. Interessierten Passanten berichtete er über diesen Teil der Winterarbeit der Flößer. „Ende Oktober schneiden die Flößer die Äste, wenn’s aus dem Saft san. Ein bis zwei Monate bleibn’s liegen, dann san’s schee zaach und können verarbeitet werden.“ Die Arbeit geht dem 80jährigen flink von der Hand. Auch wenn er selbst heute nicht mehr Floß fährt, so etwas verlernt man nicht.

Mit einem Informationsstand vertreten waren zudem der Flößer-Kulturverein München-Thalkirchen mit Vorsitzender Helga Lauterbach und auch der Isartalverein. Letzterer hat es sich zur Aufgabe gemacht, ein virtuelles Isar-Museum einzurichten. Ein wirklich interessantes Projekt – reinschauen im Web lohnt sich! Projektleiterin ist Sylvia Rothe, die sich heuer mit einem Filmprojekt über die Flößerei am Wolfratshauser Ferienpass beteiligt hatte. Ein ausführliches Interview dazu folgt. Getroffen habe ich dort auch Gabriele Rüth, 1. Vorsitzende des Vereins Flößerstraße. Auch sie und ihren Verein möchte ich in Kürze vorstellen.

(c) Flößerstraßenverein e.V. | www.blog.wolfratshausen.de

Die Flößerei zum Thema gemacht hatte sich auch das Bayerische Amt für Landwirtschaft und Forsten. Sie verkauften unter anderem Floßbastelsets für Kinder, die diese gleich vor Ort selbst zusammennageln durften. Das Angebot wurde begeistert angenommen.

Doch warum sind so viele Flößerei-Interessierte beim Bürgerfest am Flaucher in München zu finden? Und was ist der Flaucher überhaupt – abgesehen von dem bekannten Isar-Kiesstrand, an dem das Grillen geduldet wird? Antworten dazu habe ich in der Broschüre „175 Jahre Flaucheranlagen und Stadtgärtnerei“ gefunden.

Die Flaucheranlagen sind die ältesten kommunalen Grünanlagen Münchens und bieten heute mitten in der Stadt Naturschönheit und Freizeitgenuss. Nur wenigen ist bewusst, dass es sich um einen künstlich angeordneten Grünbereich handelt. Vor 175 Jahren hatte sich hier eine wilde, urwüchsige Auenlandschaft mit Sumpfbereichen ausgebreitet, die für Erholungszwecke kaum geeignet war. Der Auftakt für dieses ambitionierte städtische Projekt erfolgte 1983: Der damalige Bürgermeister Jakob Bauer und Vertreter des Magistrats pflanzten eine Eiche, eine Linde und einen Maulbeerbaum und legten damit die Basis für die erste städtische Grünanlage zur öffentlichen Nutzung.

Der Flaucher erstreckt sich vom Flauchersteg flussabwärts bis hin zur Brudermühlbrücke und weiter zur Braunauer Eisenbahnbrücke. Als die Anlagen entstanden, kannte man sie freilich noch nicht unter dem Namen „Flaucher“. Seinerzeit waren zentrale Aufgaben des Magistrats: die Floßfahrt auf der Isar sicherzustellen, die Stadtbäche mit Wasser zu versorgen und München vor Hochwasser zu schützen. Aber die unberechenbare Isar gestaltete ihr Bett selbst immer wieder neu. Damit in den Großen Stadtbach genügend Isarwasserfloss, musste der Wasserlauf ständig korrigiert werden. Dazu mussten Ufer befestigt und Wehre gebaut werden. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts entstand quer über das Flussbett hinweg ein erstes Wehr. Dieses Bauwerk wurde ständig weiterentwickelt. Im 19. Jahrhundert wurde das aus Holz und Stein erbaute Wehr durch einen Betonbau ersetzt. Heute ist es ein Denkmal, denn seit der Renaturierung der Isar 2000 und 2011 beeinflusst es den Wasserlauf nicht mehr.

Da die Wehranlage der Thalkirchener Überfälle eine durchgehende Floßpassage im Hauptstrom verhinderte, ließ man die Flöße in den Stadtbach einfahren, wo sie bis zur Oberen Lände weiterfahren konnten. Zurück in den Hauptflussarm und zur Weiterfahrt zur großen Lände unterhalb der Ludwigsbrücke gelangten sie durch mehrere „Floßablässe“ zwischen den Kiesbänken. Hier war der Auenbereich mit seinem großen Kiesaufkommen daher von mehreren kleinen Wasserläufen durchzogen und es entstanden größere und kleinere Inseln.

Heute erscheinen die Flaucheranlagen nicht als Park im Sinne geregelter Gartenkunst, sondern als Teil einer lebendigen Landschaft. Gewissenhafte Pflege und nachhaltiger Erhalt dieser Wälder, Wiesen und Wege ist eine herausfordernde Aufgabe, die heute vom Münchner Baureferat erfüllt wird.

Sabrina Schwenger
Redakteurin, Freie Journalistin

Für den Flößerstraßenverein e.V.

2 Gedanken zu „Der Flaucher und die Flößerei: Flößer bei Bürgerfest „175 Jahre Flaucheranlagen“ in München

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