Flößerei an Isar und Lech – eine gemeinsame Vergangenheit

Das Flößermuseum in Lechbruck mit seinen liebevoll ausgestatteten Räumen feierte seinen 10. Geburtstag.

Das Flößermuseum in Lechbruck mit seinen liebevoll ausgestatteten Räumen feierte seinen 10. Geburtstag.

Die Stadt Wolfratshausen und die Allgäuer Gemeinde Lechbruck sind verbunden durch eine gemeinsame Vergangenheit. In beiden Orten war die Flößerei ein wichtiger Wirtschaftsfaktor, bis Industrialisierung und Eisenbahn die Waren- und Personenflößerei auf Isar und Lech Anfang des 20. Jahrhunderts zum Erliegen brachte. Hier wie dort wird versucht, dieses uralte Handwerk mit seinen Bräuchen am Leben zu erhalten. Von Wolfratshausen aus fahren in den Sommermonaten fast täglich auf traditionelle Weise gebaute Flöße nach München-Thalkirchen, die Floßbetriebe sind seit Generationen in Familienbesitz. Außerdem hat hier der Verein Flößerstraße seinen Sitz, dessen Ziel die Erforschung, Bewahrung und kulturelle Pflege der Geschichte der Flößerei in Bayern ist. In Lechbruck gibt es den Förderverein Flößermuseum, auf dessen Initiative vor zehn Jahren ein ebenso liebevoll wie professionell gestaltetes Flößermuseum entstand.

Dieses Jubiläum wurde am vergangenen Wochenende in Lechbruck gebührend gefeiert. Dazu eingeladen war auch der Wolfratshauser Verein Flößerstraße, eine Delegation unter anderem mit Vorsitzender Gabriele Rüth und ihrem Stellvertreter Hermann Paetzmann waren gekommen. Aber nicht mit leeren Händen: Als bayernweit tätiger Verein zeichneten sie den Förderverein Flößermuseum aus mit einer Urkunde verbunden mit einem kleinen Beitrag für Tafeln, die auf die Flößerei als deutsches immaterielles Kulturerbe hinweisen und am Museum und den Flößen angebracht werden.

Zur Jubiläumsfeier gab es auch eine Floßfahrt auf dem Lech. (c) Sabrina Schwenger

Zur Jubiläumsfeier gab es auch eine Floßfahrt auf dem Lech.

Am Vormittag erkundeten sie das Museum, danach ging es zu einer Floßfahrt auf dem Lech. Da der Fluss als Stromlieferant genutzt wird, ist er durch viele Staustufen unterbrochen. Eine längere Floßfahrt ist dort nicht mehr möglich. Dennoch kann man eine rund einstündige Fahrt auf dem Lechstausee bis zur nächsten Staustufe unternehmen – und das bei guter Witterung übrigens einmal täglich. Es ist schon beeindruckend, wenn man mit dem Holzfloß vor den tosenden Wassermassen mitten im Fluss stehen bleibt. Dies ist natürlich nur mithilfe eines Außenbordmotors möglich!

Am Nachmittag wurde dann zur großen Jubiläumsfeier in der Lechhalle geladen. Unter den Gästen war auch Martin Spreng, Vizevorsitzender der Deutschen Flößereivereinigung, bei der auch die Stadt Wolfratshausen und der Verein Flößerstraße Mitglied sind, sowie die Münchnerin Helga Lauterbach, Vorsitzende des Thalkirchner Flößer-Kulturvereins. Es gab viele unterhaltsame und informative Vorträge, wie zum Beispiel von Prof. Dr. Karl Filser von der Universität Augsburg (Autor von „Flößerei auf Bayerns Flüssen“), der auch schon mehrfach in Wolfratshausen gesprochen hat. Der Autor Peter Nasemann berichtete über „Der Lech – Wandel einer Flusslandschaft“, Annemarie Fichte erzählte Lech‘gschichten, lustige, tragische – meist wahre Flößer-Anekdoten hatte der Premer Bürgermeister Herbert Sieber mitgebracht, wie auch der Autor Hans Schütz. Die musikalische Umrahmung gestaltete die „Flößermusi“.

Flößerstraßen-Vorsitzende Gabriele Rüth hob in ihrer Laudatio zur Auszeichnung das große Engagement des Fördervereins Flößermuseum hervor: Als die Gemeinde 1994 das Krummschneider-Dodl-Haus von 1645 erwarb, war das unter Denkmalschutz stehende Flößeranwesen dem Verfall nahe. Mit Hilfe der Vereinsmitglieder und unzähliger ehrenamtlicher Stunden konnte eines der ältesten Häuser Lechbrucks als Zeitzeuge erhalten werden. Finanziert wurde das Projekt unter anderem durch Zuschüsse von der Europäischen Union und dem Freistaat Bayern, Programm Leader+. Heute ist dort das Flößermuseum untergebracht, in dem Erwachsenen wie auch Kindern eine Vorstellung vom Leben der Vorfahren vermittelt wird. Auf zwei Etagen gibt das Museum Einblicke in ein beschwerliches Arbeitsleben längst vergangener Tage. Zahlreiche Exponate und eine detailgetreue Ausstellung vermitteln einen Eindruck, wie das Leben eines Flößers aussah. Zu den Exponaten, die das Museum zeigt, gehören neben einem Floßnachbau auch Aufzeichnungen über transportierte Waren. Zusätzlich dazu erfährt der Museumsbesucher etwas über die Betriebe, die von der Flößerei profitierten, wie zum Beispiel die Steinmetze und der Sandsteinbruch.

Übrigens: Hinweise auf die über Jahrhunderte so bedeutende Flößerkultur findet man – wie in Wolfratshausen – überall im Dorf, wie das alte Flößeranwesen, Lüftlmalereien das Standbild des Hl. Nepomuk, die Sandsteinbrüche oder das Floß auf dem Lech.

Sabrina Schwenger, Redakteurin & Freie Journalistin aus Wolfratshausen

3 Gedanken zu „Flößerei an Isar und Lech – eine gemeinsame Vergangenheit

  1. Den Artikel finde ich gelungen und wichtig.
    Leider schleicht sich aber ein Problem ein, das redaktionell nicht “ Beleuchtet “ wird. Mit dem sich aber schnellstens alle Flösser …!!!) und die Pfleger der Vereine dieser Tradition in Zukunft auseinander setzen müssen.

    Wie in dem jüngsten Fernseh- Beitrag von „Quer “ deutlich hervor kam, wir es bei den Flössern, ähnlich den ges. Traditionellen Festivitäten in Bayern, bald Gerichtliche Entscheidungen geben. Auch gegen die kommerzielle Flösserei.
    Die Flösse, die mit Musikkapellen nach München fahren, werden zunehmend von Bürgern als Belästigung empfunden.Das hat zwar nichts mit der traditionellen Musik auf dem Floß zu tun, sondern mit der zunehmenden Lautstärke der Bands auf den Flössen.
    Ich, als Musiker und bekennender Fan der Flossfahrten plädiere auf die Selbstkontrolle der Betreiber der Flöße, keine überdimensionierten Lautsprecher mehr auf dem Floss zu zulassen.
    Es wird über das Problem der „lauten Flöße“ früher oder später eine Urteil geben.
    Wenn wir, als Vertreter der traditionellen Floßfahrt diese weiterhin Sichern wollen, müßen wir uns zu einer Entscheidung durchringen.
    Und zwar so schnell wie möglich! Denn ich bin sicher dass es da sehr bald zu Urteilen kommen wird.
    Also; Flossfahrt ja. Stimmung und Musik ja. Aber Schluß mit dem zu lauten Anlagen auf den Flößen. So werden wir auch die Richter auf unsere Seite bekommen.
    Es muss nicht sein, dass man mit ACDC als Finalsongs in München an die Lände fährt und das ist genau das Problem.

    Liebe Grüße

    Hans Ketelhut

    • Lieber Hans Ketelhut,
      „#Leben und Arbeiten in WOR – wir bedanken uns für den Kommentar mit eigenen Erfahrungen und dem klaren Ja für die Floßfahrt und die Musik (aber nicht zu laut) auf den Flößen. Es ist schön, dass das alte Brauchtum der Flößerei bewegt und begeistert. Wir sollten alles dazu tun, dass dies in der Zukunft weiterhin so bleibt“

  2. Herzlichen Glückwunsch. Habe schon von MArtin gehört, dass das eine tolle Veranstlung war!

    Nicola Borger-Keweloh
    Schriftführer Deutsche Flößerei-Vereinigung

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