Die Stadtratsreferenten im Portrait: Sibylle Ulbrich – Sozial- und Familienreferentin

Nach und nach möchten wir euch die Referenten des Wolfratshauser Stadtrats vorstellen. Den Anfang macht Sibylle Ulbrich als Sozial- und Familienreferentin.

 

Wie entstand die Idee, sich für den Stadtrat aufstellen zu lassen?

Ich war schon immer viel ehrenamtlich tätig und Wolfratshausen liegt mir sehr am Herzen. Durch mein Engagement bei den Grünen, deren Ortsverein eher kleiner ist, bin ich schließlich auf deren Liste gelangt. Dass ich dann auch gewählt, hat mich dann überrascht aber sehr gefreut.

 

Wie kam es dann zu Ihrer Position als Sozial- und Familienreferentin?

Im Stadtrat ist es so, dass die Referenten einigermaßen gleichmäßig auf die Parteien aufgeteilt werden und da bei uns schon die Rollen des Fraktionssprechers und dessen Stellvertreter vergeben waren, noch wenig Frauen als Referenten benannt wurden und bei mir auch das Berufliche sehr gut zu der Rolle der Sozial- und Familienreferentin passt, wurde ich für diese Position vorgeschlagen. Die Themen passen oft sehr gut mit dem Parteiprogramm zusammen, aber manchmal muss ich das auch trennen, was von den Grünen und was von mir als Stadtratsreferentin ausgeht.

 

Was sind Ihre grundsätzlichen Aufgaben?

Zu den Aufgabenfeldern, wie sie auch in unserer Referentenordnung festgelegt sind, gehören die Hilfe und Vermittlung bei Obdachlosenangelegenheiten, der Kontakt zu den Trägern freier Wohlfahrtspflege, Arbeit mit Menschen mit Behinderungen sowie deren Unterstützung und Beratung, vor allem im Bereich der Inklusion auf kommunaler Ebene, Gleichstellung der Geschlechter, Förderung der Familienfreundlichkeit und die Zusammenarbeit mit dem Landratsamt im Bereich der Familienförderung. Ein gutes Netzwerk und eine enge Zusammenarbeit mit verschiedenen Stellen und Personen sind in diesem Bereich sehr wichtig. Meine bisherigen Erfahrungen und mein beruflicher Weg, helfen mir also bei der Ausübung der Referentenrolle.

 

Welche Projekte konnten Sie bisher schon verwirklichen und was ist für die nächste Zeit geplant?

Bisher habe ich vor allem weitere Kontakte geknüpft und ein paar Änderungen in der Referentenordnung erwirkt. Die wichtigste dabei finde ich, dass die Inklusion als Aufgabe der Kommune festgelegt wurde. Dann besuche ich regelmäßig Fachtagungen und Infoveranstaltungen, wie z.B. den Fachtag Jugendfreundliche Gemeinden, zu dem ich gemeinsam mit dem Bürgermeister und der Jugendbeauftragten fahren durfte. Um die Stadt familienfreundlicher zu machen, arbeite ich gerade an den Projekten „Stille Orte“, die Frauen angenehme Plätze zum Stillen ermöglichen soll und am „Büchereigarten als Bürgergarten“, bei dem ein großes Schachfeld gebaut werden soll. Das Ziel dabei ist, Orte zum Zusammenkommen der Einwohner zu schaffen.

Als großes Projekt plane ich eine oder mehrere Aktionswochen zur UN-Konvention über die Rechte von Menschen mit Behinderungen. Dabei stelle ich mir eine Auftaktveranstaltung mit Impulsvorträgen zur rechtlichen, pädagogischen und sozialpolitischen Relevanz der UN-Behindertenrechtskonvention vor. Zusätzlich soll dann ein „Worldcafe“ entstehen, in dem sich Referenten, Vereine, Betroffene, Verbände, Politiker und interessierte Bürger austauschen, informieren und vernetzen können. Im Moment gibt es aber in Wolfratshausen viele große Themen zu bearbeiten, so dass die Köpfe für solche Themen nicht so frei sind. Die Planungen dazu laufen aber schon und ich würde mich freuen, wenn das Projekt an Aufmerksamkeit gewinnt.

Ab 2016 ist dann auch eine Neubürgerversammlung vorgesehen, in der alle Neugeborenen mit ihren Eltern, Neuzugezogene sowie Flüchtlinge, begrüßt werden, Informationen erhalten und sich gegenseitig kennenlernen können.

 

Was gefällt Ihnen so an Wolfratshausen?

Es ist ein bisschen wie ein Dorf, jeder kennt jeden, man trifft immer wen und ist schnell im Gespräch. Wenn man sich streitet, dann verträgt man sich auch wieder und mag sich wieder. Als Mutter mag ich, dass es wahnsinnig viele Angebote und Strukturen gibt. Ich finde Wolfratshausen ist sehr kinderfreundlich geworden in den letzen Jahren. Es gibt viel Grün, viel Natur, Berg, Wald, Fluss, aber auch die Nähe zur Stadt, das ist auch schön, mal nach München zu fahren.

 

Sibylle Ulbrich ist gelernte Raumausstattungsmeistern, war lange Zeit selbstständig und gelangte über die Zusatzausbildung der Baubiologie mit natürlichen Wandfarben und Verputzen in die Kunst- und Kreativecke. Auf einen Brand folgte eine kurze Phase der Obdachlosigkeit und ein Umbruch in ihrem beruflichen Leben. Letztes Jahr schloss sie das Studium der Sozialen Arbeit sehr gut ab und widmet sich derzeit im Masterstudiengang dem Schwerpunkt Soziale Arbeit in Communities, Netzwerken und Organisationen. Nebenher war sie u.a. im Waldkindergarten Irschenhausen tätig, arbeitete im Altenheim mit Demenzkranken und kümmert sich in der Mittelschule Geretsried um den Berufseinstieg von benachteiligten Jugendlichen. Die praktische Erfahrung zusätzlich zum theoretischen Wissen des Studiums ist hilfreich im Kontakt zu Behörden und erleichtert die Empathie zu Betroffenen und hilft diesen Vertrauen aufzubauen.

 

Interview, Text und Foto von Veronika Graf

Ein Gedanke zu „Die Stadtratsreferenten im Portrait: Sibylle Ulbrich – Sozial- und Familienreferentin

  1. Ich finde es supertoll, dass Menschen wie Sibylle Ulbrich neben der eh schon zeit- und nervenaufreibenden Stadtratsarbeit eine weitere Aufgabe aufhalsen, die wiederum mit Null-Euro vergütet wird. Typisch Grün: Natürlich das Amt mit Engagement ausfüllen und nicht nur den Titel spazieren tragen. Bezahlte Kräfte leisten oft auch nicht mehr, sagt meine Erfahrung.

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