AD(H)S-Hilfe Oberland

Gerty Schoelen ist seit 37 Jahren als Heilpädagogische Förderlehrerin am Förderzentrum Franz-Marc-Schule-Geretsried tätig. Nach einiger Zeit fiel ihr auf, dass Kinder in der Schule waren, die mit ihrer Intelligenz gar nicht hier her gehörten. Aufgrund ihrer mangelnden Konzentrationsfähigkeit, fehlender Impulskontrolle, motorischer Unruhe und beeinträchtigter Merkfähigkeit, sowie großer Klasse, konnten diese Kinder im Kindergarten und in der Regelschule nur schwer mitgetragen werden. Zum Arzt geschickt, stellte sich meistens ADHS heraus. Für Frau Schoelen war das der Anlass, sich intensiver mit der Problematik auseinander zu setzen. Als sich die Möglichkeit bot, eine spezielle Ausbildung zur AD(H)S-Beraterin zu machen, holte sie sich das erforderliche „Handwerkszeug“, um die Kinder besser zu verstehen und ihnen adäquat zu helfen.

Das bedeutet ADS/ADHS

Das Aufmerksamkeits – Defizit – Syndrom mit und ohne Hyperaktivität, kurz AD(H)S, ist eine genetische Besonderheit, die sowohl Vor- als auch Nachteile mit sich bringt. Die Kinder können ganz leicht bis massiv betroffen sein. Im Volksmund nennt man sie ‘Träumerchen‘ oder ‘Zappelphillip‘.

Die Ursachen sind noch nicht restlos geklärt, doch weiß man, dass die Filterstation im Hirn (formatio reticularis), die normalerweise nicht benötigte Reize herausfiltert einfach anders arbeitet. Bei AD(H)S-Bertoffenen funktioniert diese Filterstation nicht adäquat, so dass alle Reize (sehen, hören, spüren) gleich intensiv auftreten und das AD(H)S-betroffene Kind sie mit viel Kraft aktiv wegdrängen muss. Frau Schoelen verdeutlicht: „Normalerweise

Ähnlich aber nicht gleich: ADS und ADHS sind zunächst einmal starke Einschränkungen für ein Kind. Doch nicht alle Auswirkungen sind negativ.

braucht der Mensch unbewusst ca. 20 % seiner Kraft, um seine grundlegenden Körperfunktionen aufrecht zu erhalten (z.B. Sitzen). 80 % seiner Kraft steht ihm z.B. beim Zuhören im Unterricht zur Verfügung. Bei AD(H)S-betroffenen Kindern ist das Verhältnis stark verschoben bis umgekehrt. Wissen abzuspeichern wird dadurch zu einer großen Herausforderung. Stellen Sie sich vor, ein nicht betroffenes Kind lernt für die Probe am folgenden Tag. In seinem Kopf befinden sich “Autobahnen“, über die das gelernte Wissen vom Kurzzeitgedächtnis ins Langzeitgedächtnis saust. Bei einem AD(H)S-betroffenes Kind hingegen befindet sich statt der Autobahnen ein Dschungel (eigene Gedankenwelt) im Gehirn und es bringt sein Wissen im Rucksack mühselig durch einen mit der Machete geschlagenen Weg zum Langzeitgedächtnis. Als Konsequenz braucht es bis zu 70 Wiederholungen, bis das Wissen im Speicher sicher ankommt. Zusätzlich ist der Speicher kleiner und das so mühselig erworbene Wissen wird von den anschließend benutzen Medien teilweise verdrängt oder überlagert. Im Gegensatz dazu braucht ein nicht betroffenes Kind durchschnittlich 4 Wiederholungen.

 

Der Alltag mit AD(H)S

In einem Förderzentrum wie die Franz-Marc-Schule ist es leichter, auf Kinder mit AD(H)S einzugehen. Weniger Kinder in einer Klasse, klare Rituale und Strukturen helfen den Kindern sehr. Da sie kaum innere Strukturen haben, sind die Kinder auf die Strukturhilfe von außen angewiesen. Die klaren Vorgaben helfen ihnen im Alltag, denn alles, was sich automatisiert hat, benötigt keine Kraft mehr. Gerty Schoelen lernte schnell: „Wenn etwas aus dem Ruder lief, waren nicht die Kinder Schuld sondern ich, weil ich den Rahmen, das Geländer nicht aufrechterhalten habe.“

Was der Heilpädagogin manchmal schon schwerfiel, war und ist auch für Eltern eine Herausforderung und nicht selten eine Überforderung. ‘Mal eben schnell…‘ geht gar nicht, weil es die Kinder sofort lähmt. Mit ihren besonders feinen ‘Antennen‘ spüren AD(H)S-betroffenen Kinder sofort Spannungen in ihrem Umfeld, insbesondere der Eltern, was die Kinder sehr verunsichert und sie mit impulsivem Verhalten reagieren. Die Eltern sind nicht mehr in der Lage, ruhig, überlegt und konsequent zu reagieren. Das führt zu heftigen Streitereien, Schimpftiraden und immer weniger Lob. Zu Überforderung und Hilflosigkeit kommen Schuldgefühle und ein negatives Familienumfeld kann entstehen – ein Teufelskreis.

Hilfe bei AD(H)S

Also ließ Gerty Schoelen sich 2004 / 05 zur AD(H)S-Beraterin ausbilden und begann damit, AD(H)S-Beratungen für Eltern, Lehrerkräfte, ErzieherInnen, Lehrerseminare, Elternabende in Kindergärten und Schulen anzubieten. Als sie in Rente ging, gründete die Pädagogin die „AD(H)S-Hilfe Oberland“. Mit ihrem Angebot von Akuthilfe und Fortbildungen bis hin zur Babysitter-Schulung traf sie einen Nerv.

AD(H)S-Hilfe von Gerty Schoelen hält nicht nur Hilfeleistungen für betroffene Kinder und Erwachsene bereit, sondern auch für Angehörige, Pädagogen und interessierte Studenten.

Wenn die Hausaufgaben zum Albtraum werden, der Familienfriede nachhaltig gestört ist, die Mutter nicht mehr kann, die Geschwister nur noch streiten und – und – und …… spätestens dann ist es Zeit für eine AD(H)S-Beratung. Es wäre wichtig, dass beide Elternteile gemeinsam den Termin wahrnehmen, weil es viel leichter ist, wenn beide den gleichen Wissensstand haben. Oft lässt sich mit verblüffend einfachen Mitteln z.B. die Hausaufgabenzeit enorm verkürzen, die Familienstimmung wieder ins Positive führen oder die Partnerschaft mit neuer Qualität beleben.

Mütter sind die besten Fachfrauen auf der Welt für ihr Kind – sie haben eine natürliche Intuition. Weil es auch heute noch meistens die Mütter sind, die den größten Teil des Tages mit ihren Kindern verbringen, fühlen sie sich als Versagerin, wenn es nicht so gut läuft wie sie es gerne hätten. Darunter leidet auch das Selbstwertgefühl. In der Beratung erfahren sie, dass sie mehr als andere Mütter leisten müssen und es eine Erklärung für das Verhalten des Kindes gibt. Dieses Wissen nimmt den Druck und kann die Anspannung in der Familie lockern.

Aus Teufelskreisen ausbrechen

Auch beim nächsten Schritt, der Umsetzung der alltagstauglichen Tipps, ist die Mitarbeit beider Elternteile erforderlich. Ziehen sie an einem Strang, entsteht bei den Kindern Sicherheit und Entspannung. Es werden neue Strukturen geschaffen und alte Verhaltensmuster gegen positive ausgetauscht. Beispielsweise können morgendliche Kämpfe gegen ein gemütliches Frühstück verändert werden und eine gemeinsame Essenszeiten kann zum friedlichen und emphatischen Familienaustausch genutzt werden. Der Fokus wird von allen Familienmitgliedern im Familienalltag immer mehr auf das Positive gerichtet. So wird das AD(H)S-betroffene Kind entlastet und hat die Chance, sich positiv zu erleben, sowie das Selbstwertgefühl wieder aufzubauen. Schleichend verringert sich das Schimpfen automatisch. Die neuen, sinnvollen Strukturen geben Halt, Sicherheit und bringen Spaß.

Je mehr schief läuft, desto mehr wird geschimpft und bestraft, und desto mehr läuft schief: Aus solchen Mustern gilt es auszubrechen.

Die Familie, Pädagogen und Babysitter

„Meistens leidet die Partnerschaft erheblich, weil das ‘Elternsein‘ die Partnerschaft stark in den Hintergrund drängt“, sagt Gerty Schoelen.  „Frage ich die Eltern, wann sie das letzte Mal als Liebespaar ein Wochenende verbracht haben, schauen sie sich an und der Mann fragt meistens: „Wann ist unser Filius geboren worden“? Es scheitert oft am Babysitter, weil sie die Großeltern für Notsituationen schonen wollen. Außerdem bricht die Erholung schnell in sich zusammen, wenn man heimkommt und zuerst aufgezählt wird, welche negativen Vorfälle es gegeben hat.

Das war der Grund, warum ich für geschulte Babysitter sorge. So können beide Elternteile beruhigt loslassen und ein Wochenende als Liebespaar genießen, denn die intakte Beziehung ist die wichtigste Kraftquelle für sie als Eltern. Diese besonders sensiblen Kinder brauchen glückliche, ausgeglichene Eltern mit viel Energie, dann steht dem harmonischen Familienleben nichts mehr im Weg.

Zusätzlich wollte ich erreichen, dass angehende Lehrer, Erzieher oder Sozialpädagogen die liebenswerten Seiten der ADHS-betroffenen Kinder kennen- und lieben lernen. All das erfahren sie in meinen Schulungen.

Wer mehr wissen möchte oder Frau Schoelen direkt kontaktieren will, kommt hier zu ihrer Homepage adhshilfe-oberland.de oder Tel. 08171 / 23 80 52

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