Wolfratshausen für die Welt

Fairtrade-Stadt – dabei geht es um mehr als nur gerechte Löhne, Bio-Produktionen, die Verwendung von Plastik oder einen neuen Werbeslogan. Stattdessen übernimmt eine Fairtrade-Stadt Verantwortung für ihren Beitrag in der Welt und schafft ein Bewusstsein für die globalen Auswirkungen des Handelns eines jeden Einzelnen. Warum uns Fairtrade alle angeht, erklärt Frau Dr. Krischke, Sprecherin der Steuerungsgruppe „Fairtrade-Stadt Wolfratshausen“, im Interview.

Dr. Ulrike Krischke ist Sprecherin der Steuerungsgruppe „Fairtrade-Stadt Wolfratshausen“

Frau Dr. Krischke, warum ist das Thema Fairtrade wichtig für Wolfratshausen?

Es ist nicht nur wichtig für Wolfratshausen, es geht um jeden Menschen. Unser Verhalten hat globale Auswirkungen. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Wir kaufen Produkte wie Avocados. Diese brauchen sehr viel Wasser, um zu gedeihen. Aufgrund großer Nachfrage werden so viele Avocados produziert, dass eine ökologische Landwirtschaft nicht möglich ist. Stattdessen werden Chemikalien eingesetzt, Wald wird abgeholzt und der Boden wird zerstört. Das hat wiederum Einfluss auf Ökosysteme und die globale Umwelt. Unser Verhalten bekommen wir wie einen Bumerang zurück. Deshalb müssen wir uns mit Umweltbewusstsein, Nachhaltigkeit, Produktionsbedingungen und fairen Handel auseinandersetzen. Das sind alles verwandte Themen und letztendlich geht es darum, unsere Welt besser zu gestalten. Wir müssen Verantwortung für unser Handeln übernehmen. Dabei kann es nicht damit getan sein, den Sprit mit einem CO2-Preis auszustatten und dann kauft man sich mit Zertifikaten von seiner Schuld frei. Das kann es nicht sein.

Schüler der Mittelschule Wolfratshausen erstellten bei Projekttagen ein Plakat zum Thema Fairtrade

Was macht die Steuerungsgruppe, um aus Wolfratshausen eine Fairtrade-Stadt zu machen?

Wir gestalten einen Prozess des Umdenkens. Dazu informieren wir zu Themen, wir schaffen ein Bewusstsein für das eigene Konsumverhalten und Handeln und wir ermuntern, sich einzubringen. Das tun wir auf vielfältige Weise. Beispielsweise haben wir Zuständige für Bildungseinrichtungen, für die Kirche, für Gewerbetreibende und für die Stadtverwaltung. Die Bildungsarbeit ist uns dabei besonders wichtig. Deshalb unterstützen wir sowohl Schulen beispielsweise durch Projektwochen als auch die Erwachsenenbildung durch Vorträge und Informationsangebote.

 

Veranstaltungstipp:

„Fair in den Tag“

Ein Frühstück mit Fairtrade-Produkten am Sonntag, den 10.11.2019, zwischen 10:00 und 12:30 Uhr in der Heilerziehungspflegeschule Wolfratshausen

Adresse: Bahnhofstr. 14, 82515 Wolfratshausen

Kosten: Erwachsene 15,00 €, Kinder 10,00 €

Anmeldung bis zum 24.10.2019:
E-MAIL (Kinder- und Jugendförderverein Wolfratshausen e.V.).

 

Was passiert auch in der Stadtverwaltung?

Wir wollen in der kommunalen Beschaffung auf nachhaltige und faire Produkte umstellen. Die Stadt und die Töchter der Stadt sollen künftig zum Beispiel nachhaltig hergestelltes Papier, fair produzierte Computermäuse und umweltfreundlich gestaltete Kleidung für die Mitarbeiter der Stadtwerke verwenden. In Stadtratssitzungen haben wir bereits fairen Kaffee und Tee und Gebäck etabliert.

Erfüllt Wolfratshausen bereits alle Anforderungen einer Fairtrade-Stadt?

Ja, wir sind bereit. Im November wollen wir den Antrag bei TransFair e.V. einreichen, um das Siegel „Fairtrade Town“ zu bekommen. Dabei werden die Tätigkeiten eines Jahres geprüft. Doch wir haben darüber hinaus seit der Gründung der Steuerungsgruppe Ende des Jahres 2015 viele Aktionen umgesetzt, deren Beschreibung ich ebenso dem Antrag beilegen werde. Es dauert dann etwa ein bis zwei Monate bis wir Rückmeldung bekommen und dann auch hoffentlich das Siegel erhalten.

Anforderungen an Fairtrade Towns:

  • Ratsbeschluss zur Unterstützung des fairen Handelns verabschieden
  • Lokale Steuerungsgruppe bilden
  • Mindestens zwei Produkte aus fairem Handel in Einzelhandelsgeschäften, bei Floristen, Cafés und Restaurants anbieten
  • Informations- und Bildungsaktivitäten umsetzen und faire Produkte in öffentlichen Einrichtungen etablieren
  • Presse- und Öffentlichkeitsarbeit zu Aktionen zum fairen Handel gestalten
    Mehr Informationen unter www.fairtrade-towns.de/mitmachen/kriterien/

 

Was macht Wolfratshausen dann mit dem Siegel?

Das Siegel allein ist nicht das Ziel. Es ist natürlich eine schöne Auszeichnung, mit der wir werben können. Es zeigt, dass wir bestimmte Dinge schon erreicht haben. Doch mit dem Siegel verstärken wir eher die Aufmerksamkeit auf das Thema Fairtrade, mit dem Ziel, noch nachhaltiger zu arbeiten. Wir müssen noch mehr Veranstaltungen und Aktionen umsetzen, damit insgesamt ein Umdenken stattfinden kann.

Die Steuerungsgruppe „Fairtrade-Stadt Wolfratshausen“ setzt sich für Aktionen und Bildungsangebote zum Thema Fairtrade ein

Was kann jeder tun, um die Welt fairer zu gestalten?

Jeder kann sein eigenes Konsumverhalten beobachten und beim Kaufen Acht geben: Welchen Kaffee trinke ich? Welchen Reis esse ich? Inzwischen existieren zumindest zwei fair produzierte elektronische Geräte, darunter Computermäuse und Smartphones. Es gibt fair hergestellte Fußbälle, Volleybälle und Handbälle. Darüber hinaus kann jeder das vorhandene Angebot der Region nutzen und damit regional produzierende Unternehmen unterstützen. Zu einem bewussten Konsumverhalten gehört auch die Überlegung, wie viel konsumiert wird und beispielsweise wie viel Fleisch jeder benötigt. Durch unser Konsumverhalten haben wir einen Einfluss auf die Produktionsbedingungen und die Tierhaltung. Zudem sollten wir für den Umweltschutz Plastik vermeiden, so gut es geht.

Das können Sie für eine bessere Welt tun –
5 Tipps von Frau Dr. Krischke:

  1. Über Produkte und deren Produktionsbedingungen informieren
  2. Fair hergestellte Produkte konsumieren
  3. Regional und saisonal kaufen
  4. Weniger wegwerfen, mehr reparieren
  5. Plastik meiden

 

Literaturempfehlung von Frau Dr. Krischke:


„Wie viele Sklaven halten wir uns?“ von Evi Hartmann, Campus Verlag, Frankfurt/New York, ISBN 9783593505435


Gibt es die Möglichkeit, sich zu engagieren?


Ja, jeder, der sich einbringen möchte, kann sich bei uns melden. Es gibt viel zu tun.

Weitere Informationen und Kontaktdaten erhalten Sie unter INFOLINK

 

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