G´schichten aus dem Stadtarchiv – Unruhige Zeiten in Wolfratshausen (4/5)

Auch vor knapp 400 Jahren stand unser Wolfratshausen bereits vor großen Herausforderungen: Am 23. Mai 1618 fand mit dem 2. Prager Fenstersturz ein Ereignis statt, das einen der schlimmsten Kriege der Europäischen Geschichte auslöste. Der Dreißigjährige Krieg, der sich aus dem Aufstand der böhmischen Adeligen gegen die Habsburger entwickelte, zog auch unser Wolfratshausen schwer in Mitleidenschaft.

Zwar dauerte es noch weit über 10 Jahre, bis der Krieg das Oberland erreichen sollte, dann kam er jedoch in seiner gesamten Wucht. Die Schlacht bei Rain am Lech eröffnet den Schweden unter ihrem König Gustaf Adolf Mitte April 1632 den Einfall in Kurbayern. Bereits am 7. Mai 1632 überfällt ein schwedischer Trupp Wolfratshausen. Der Großteil der Wolfratshauser Landfahne ist zur Verteidigung der Landeshauptstadt München einberufen worden, die wenigen verbleibenden Verteidiger haben keine Chance gegen die Übermacht der Schweden. Diese töten wohl mehrere Bürgerinnen und Bürger, unter anderem auch den Bürgermeister Balthasar Schwaiger und brennen Teile des Marktes nieder.

Sichtbares Zeugnis des Schwedeneinfalls ist die Frauenkapelle im Bergwald. Diese wurde im Jahr 1643 aufgrund eines Gelöbnisses des Weißgerbers Lang, der dem Tod durch die Schweden entgehen konnte, errichtet.

Doch auch die folgenden Jahre sind schreckensreich, so werden immer wieder kaiserliche Truppen einquartiert, deren Unterhalt dem Markt gigantische Kosten verursacht. 1634 kommt zusätzlich noch eine tödliche Gefahr hinzu: Die Pest. Auch diese fordert zahlreiche Opfer. Wolfratshausen wird zwar während des restlichen Krieges nicht mehr eingenommen, doch erst der Friede 1648 lässt den Markt wieder richtig zur Ruhe kommen.

Leider sind viele Dokumente dieser Zeit nicht mehr vorhanden, so dass vieles unklar bleibt und genaue Angaben häufig nicht zu machen sind. Gerade aus dem Jahr des Schwedeneinfalls fehlen zum Beispiel die Ratsprotokolle. Teilweise sind die Ereignisse jedoch aus den Kammerrechnungen rekonstruierbar.

Als Beispiel habe ich Ihnen einen Ausschnitt aus der Kammerrechnung des Jahres 1633 ausgesucht und transkribiert:

Ausgab auf Zörungen

Erstlichen, als Anno 1632 der feindt, neben anderen Bürgern mehr, herrn Bürgermaister Balthasaren Schwaiger, niedergehauen, und Todt gemacht, als hierdurch die Bürgermeisterstöll lädigworden, Ist darauf den 9. Januariy Anno 1633 durch die Rhatswöhler, ansein Schwaigers seel. Statt, herr Bürger-maister Kheller, erwöllt worden, hierauf dann besagte Rhatswöler, nach gehört ihrer verrichtung, bey ge-örgen Pauhofern Gastgeben verzört2 fl (=Gulden) 40 kr(=Kreuzer) […]

Einen friedlichen und schönen Herbst wünscht euch euer Stadtarchivar

Simon Kalleder

 

Zum Weiterlesen

Habt ihr den ersten Teil unserer Serie „G´schichten aus dem Stadtarchiv“ verpasst? Kein Problem, hier gelangt ihr direkt zu dem ersten Blogartikel, bei dem es um einen Brief des Königs geht.

Den zweiten Blogartikel, bei dem es um den Skandal nacktbadender Studenten geht, findet ihr hier.

Wollt ihr einen Blick in unseren dritten Blogartikel werfen und über die wilden Geschichten der Feuerwehr schmunzeln? Hier haben wir euch den Beitrag direkt verlinkt.

Kennt ihr bereits unser Stadtarchiv der Stadt Wolfratshausen? Hier haben wir euch die offizielle Homepage verlinkt, auf der ihr neben den Öffnungszeiten auch die Aufgaben und weitere Informationen zum Stadtarchiv finden könnt.

Vorschau

Beim nächsten Mal folgt wieder ein heiteres Thema: fahrradfahrende Priester! Weshalb das zum Sittenverfall deklariert wurde und die Obrigkeiten empörte, erfahrt ihr am Mittwoch, den 08.09.2020, auf unserem Blog.

 

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