Auf den Spuren der Flößerei: Sonderausstellung „Wasser“ des Museumsverbund „Landpartie“

Ein Blick in das Wolfratshauser Heimatmuseum lohnt sich. Schon die knarzenden Treppenstufen die zu den Ausstellungsräumen im denkmalgeschützten Haus führen, vermitteln Museumsgefühle. Präsentiert wird dort selbstverständlich die Geschichte der Flößerei in Wolfratshausen. Zahlreiche Exponate wie Historische Fotografien, Gemälde und Dokumente zeugen von der großen wirtschaftlichen Bedeutung der Flößerei an Loisach und Isar. Die Ausstellung wird abgerundet unter anderem durch verschiedenste Floßmodelle, Teile der Arbeitsbekleidung der Flößer und ihr Handwerkszeug. Wer sich dann noch weiter für die Flößerei interessiert kann hier die „Chronik der Flößerei in Wolfratshausen“ erstehen. Die Flößerei ist in Wolfratshausen aber auch noch gelebte Tradition. Immer in den Sommermonaten werden an den beiden Seitner-Floßländen an der Loisach und der Angermeier-Floßlände an der Isar täglich in den frühen Morgenstunden Flöße zusammengebaut, die dann als Gaudifloß nach München-Thalkirchen fahren.

Die Flößerei war aber nicht nur in Wolfratshausen ein wichtiger Wirtschaftszweig. An unzähligen Orten an Bayerns Flüssen wurde geflößt und getriftet oder das Floß war wichtiges Transportmittel für den Baustoff Holz sowie Waren aus dem Oberland, Österreich oder Italien. Zu sehen ist dies aktuell auch im Stadtmuseum Freising, Schlossmuseum Ismaning, dem Bezirksmuseum in Dachau sowie dem Bauernhofmuseum Jexhof. Sie gehören zum Museumsverbund „Landpartien“ mit insgesamt neun Museen und Galerien im Münchner Norden und Westen bis nach Starnberg im Süden. Er wurde 1996 gegründet, um auf die abwechslungsreiche und eigenständige Museumslandschaft unweit der Großstadt aufmerksam zu machen.

In diesem Jahr hat der Museumsverbund für seine jährlichen Sonderausstellungen das Thema „Wasser“ gewählt. Die Kuratoren begründen dies mit der enormen Bedeutung des Wassers für den Menschen. „Ohne Wasser ist kein Leben, ohne Wasser überlebt der Mensch nicht sehr viel länger als zwei Tage.“ Auch die menschliche Kultur hängt am Wasser: Wo Wasser ist, gründete der Mensch Siedlungen und Städte. Der Mensch nutzt das Wasser zum Waschen und Kochen, überall in der Industrie und im Handwerk ist es unabdingbare Grundlage, besonders auch als Verkehrs- und Handelsweg unter anderem durch die Flößerei. „Wasser ist die Voraussetzung für unseren Wohlstand, unsere Gesundheit, unsere Zivilisation.“

Wer sich für die Flößerei interessiert wird eigentlich in fast jedem der Museen fündig, auf alten Stichen finden sich Flöße, es gibt Gemälde und historische Dokumente. Besonders ausführlich wird die Flößerei allerdings im Bezirksmuseum Dachau präsentiert. Unter dem Titel „Die Amper. Geschichte(n) eines Flusses.“ bekam die Flößerei sogar einen eigenen Raum mit Floßmodell. Bei der Erforschung der Geschichte der Flößerei auf der Amper stehen sie nach eigener Auskunft noch am Anfang, aus dem vorliegenden Material sei aber die Bedeutung der Flößerei für Dachau deutlich geworden.

Zusammengefasst sind die Museen in einer App, die kostenfrei zum Download im App-Store und Playstore zur Verfügung steht. Kulturinteressierte können hier faszinierende Ausflugsziele rund um das Thema Wasser entdecken und Interessantes zu Wasser und Kultur rund um München erfahren. Für Besucher der „Wasser“-Ausstellungen gibt sie die Möglichkeit, ihre ganz eigene „Landpartie“ zu planen.

Leider nicht mit zum 1996 gegründeten Museumsverbund gehört das Heimatmuseum Wolfratshausen, obwohl es heute durchaus Potential hat. Es ist charmant eingerichtet und gut strukturiert. Auch für Sonderausstellungen ist Platz – wenn auch nicht übermäßig. Und gerade zum Thema „Wasser“ hätte die Internationale Flößerstadt Wolfratshausen sicher einiges beizutragen gehabt.

Text & Bilder:

Sabrina Schwenger, Journalistin Wolfratshausen

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