Hervorragend! Die Wahl der Sportlerin und des Sportlers des Jahres 2019

Das Atmen fällt schwer, der Puls pocht bis zur Kehle und der Schweiß rinnt an der Schläfe herab: Die letzte Kurve vor der Zielgeraden auf der Tartanbahn steht bevor. Spätestens hier dringt das Laktat in jeden Millimeter der Oberschenkelmuskulatur und macht die Beine schwerer, aber Aufgeben ist keine Option, denn Meter für Meter nähert sich das Ziel. Der letzte 1000er ist der Schwerste!

Fleiß und Schweiß, aber auch das Talent, das Training in den Alltag zu integrieren, werden belohnt – im Wettkampf. So werden auch in diesem Jahr unsere Athleten*innen für ihre herausragenden sportlichen Leistungen geehrt. Teil der Sportlergala 2020 ist auch die Ehrung des/ der Sportler*in des Jahres 2019. Den bzw. die Sportler*in können die Wolfratshauser Bürger*innen selbst mitbestimmen: Bis zum 25.09.2020 könnt ihr eure Stimmen abgeben!

Die zur Wahl stehenden Athleten*innen haben sich die Zeit genommen und uns einige Fragen beantwortet. Hier erfahrt ihr mehr über ihr spannendes Leben, in dem der Sport eine wesentliche Rolle spielt:

Marie Caron (TSV Wolfratshausen – Leichtathletik)

Frau Caron, der Wüstenlauf durch Marokko (260 km), der Trail des Templiers (64 Kilometer und 3500 Höhenmeter), ein Etappenlauf durch den Tiefschnee in Finnland und viel, viel mehr: Wie bereiten Sie sich in Ihrem Alltag auf die extremen Bedingungen bei den Läufen vor?

Lange Läufe, Blocktraining, das heißt drei, vier Tage hintereinander, viele Höhenmeter. Wenn Schnee liegt, dann trainiere ich viel im Tiefschnee, weil der Schritt im Tiefschnee derselbe wie im Sand ist.

An den Tagen, an denen ich die langen Läufe mache, probiere ich auch die Ernährung. Ich teste, was ich bei einem Lauf als Verpflegung währenddessen gerne mitnehmen würde.

An welche Momente werden Sie sich als Läuferin noch in 15 Jahren gerne erinnern?

Ich glaube an alle. Vor allem an die Zieleinläufe. Die sind alle unterschiedlich, alle sehr emotionsvoll und es ist mehr als das Gewinnen für mich. Also ich möchte immer gesund ankommen und das ist immer mein Ziel.

Sie zeigen wie man Laufsport mit sozialem Engagement vereinbaren kann: Raphael ist neun Jahre alt und hatte im Alter von 2 Jahren einen folgenreichen Unfall in einem Schwimmbad. Seit dem lebt er mit einer Behinderung. Wie unterstützen Sie ihn genau?

Den kleinen Raphael habe ich auf Facebook kennengelernt. Der Sohn meiner Cousine aus Frankreich fährt viel Mountainbike und er war schon bei diesem Verein, der Raphael unterstützt. Der Verein wurde für Sportler gegründet und besitzt eine Seite auf Facebook. Über die sportlichen Events wird anschließend Geld gesammelt und gespendet.

Zum Beispiel habe ich auf Facebook einen Spendenlink auf meinem Profil und trage während des Laufes ein T-Shirt des Vereins. Diese T-Shirts stehen grundsätzlich in sämtlichen Größen zum Verkauf für 20 Euro.

Man kann die Familie von Raphael mit einer kleinen Spende unterstützen oder erwirbt ein T-Shirt des Vereins. Die T-Shirts sind sehr schön und man kann sie immer zum Laufen oder Wandern benutzen. Ich bekomme positive Rückmeldungen für das Laufen für den Verein und finde es toll, dass man so etwas in der Richtung macht.

Marie Caron im Ziel des Marathon de Sables – ein Wüstenlauf durch Marrokko

Angelika Fanai-Nimmesgern (TSV Wolfratshausen –Triathlon)

Frau Fanai-Nimmesgern, mit den Disziplinen Schwimmen, Radfahren und Laufen gilt der Triathlon als zeitintensiver Sport. Welche drei Tipps und Tricks fallen Ihnen ein, um Training und Alltag erfolgreich zu organisieren?

Triathlontraining und ganz besonders das Training für die Langdistanz, die beim Wettkampf 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und schließlich 42 km Laufen bedeutet, ist natürlich äußerst zeitintensiv und erfordert eine Menge Toleranz und Unterstützung des Partners und der Familie. Auch der Freundeskreis muss zurückstecken, sofern er nicht auch aus Triathleten besteht, sodass man sein Training gemeinsam gestalten kann.

Alle drei Disziplinen gleichermaßen zu trainieren, fordert auch einiges an Organisationstalent und Disziplin, damit Familie, Job und Haushalt nicht leiden.

Erster Tipp: Ich versuche zeitig schlafen zu gehen, um meine erste Trainingseinheit, das Schwimmen, früh morgens schon vor dem Job und Haushaltstätigkeiten erledigt zu haben. Oder ich verlege das Schwimmtraining in die frühen Abendstunden, wo es mancherorts auch einen vergünstigen Eintritt gibt.

Zweiter Tipp: Eine Radeinheit mit einem Lauftraining zu verbinden. Damit hat man durch die Vorermüdung des ersten Trainings einen guten Effekt auf den Fettstoffwechsel, vorausgesetzt, man trainiert die zweite Einheit ausschließlich im Grundlagenausdauerbereich. Das heißt, man läuft nach einer knackigen Radeinheit danach in mäßigem Tempo nur 10 km, hat aber in etwa den gleichen Trainingserfolg als wäre man doppelt so weit gelaufen. Dabei ist es egal, ob man zuerst radelt oder zuerst läuft. Man kann es auch umgekehrt machen. Am besten man wechselt die Reihenfolge immer mal wieder. Wenn man allerdings zuerst radelt und gleich danach läuft, hat man gleichzeitig ein gutes Koppeltraining. So trainiert man den Übergang vom Radfahren zum Laufen, was auch sehr wichtig ist, da man seine Muskulatur an diesen Wechsel gewöhnen sollte.

Dritter Tipp: Zu jeder Trainingswoche gehört auch ein Ruhetag. Der Trainingsalltag fordert von uns Altersklassenathleten eine ganze Menge ab. Anders als die Profis, haben wir in der Regel noch viele andere Dinge zu erledigen.

Um trotz allem gesund und leistungsfähig zu bleiben, ist solch ein Ruhetag durch nichts zu ersetzen. Zudem kann man sich dann auch wenigstens einmal in der Woche seiner Familie, dem Partner oder dem Freundeskreis widmen und einfach mal loslassen.

Beim Ironman Hamburg, bei dem 2019 auch die deutsche Meisterschaft der Langdistanz ausgetragen wurde, wurden Sie deutsche Vizemeisterin in ihrer Altersklasse. 2018 qualifizierten Sie sich auch für die Weltmeisterschaften der Mitteldistanz, die 2019 in Nizza stattfand: Welche Gefühle können Sie beschreiben, wenn Sie schließlich im Ziel ankommen?

Der Ironman 70.3 Lanzarote 2018 wird für mich immer ein ganz besonderer Wettkampf bleiben. Denn trotz starker Konkurrenz konnte ich mich nach einem schlechten Schwimmstart auf den ersten Platz heranarbeiten und ihn auf´s Podest tragen. Dieses Gefühl war unbeschreiblich und wird mir immer als ein Highlight meines Sportlerlebens in Erinnerung bleiben. Mit diesem ersten Platz in meiner Altersklasse sicherte ich mir die Teilnahme an der Ironmanweltmeisterschaft für die Halbdistanz in Nizza 2019, welche im September stattfand. Dort gemeinsam mit den Weltklasseathleten zu starten war eine große Ehre für mich. Als vor dem Startschuss die Marseillese ertönte, schossen mir die Tränen in die Augen.

2019 habe ich auch jeweils bei einer IRONMAN Langdistanz den 4. Platz in Lanzarote und den 2. Platz in Hamburg (Altersklasse) erreicht.

Leistungssport besteht nicht nur aus Erfolgen, sondern kann auch Rückschläge beinhalten. Welche Erfahrung haben Sie hierbei bereits gemacht und wie haben Sie das für sich gelöst?

Rückschläge. Ja, das kann man wohl sagen: die hatte ich. Ausgerechnet in diesem, dennoch für mich so erfolgreichen Jahr 2019.

Es fing damit an, dass ich verbissen an meiner Schnelligkeit arbeitete, da ich bemerkte, dass meine Zeiten trotz Trainings schlechter wurden. Die Folge war ein leichtes Übertraining und dadurch häufige Erkältungen. Ich musste mich damit abfinden, dass ich mit 56 Jahren den Zenit meines Sportlerlebens erreicht hatte und musste zusehen, dass ich trotzdem motiviert blieb weiter zu machen.

Bei der Langdistanz auf Lanzarote erwartete mich zudem auch noch ein ganz besonders heftiger Wind, der nicht schwächer werdend, die ganzen 180 km alles von mir abforderte.

Der IRONMAN Hamburg brachte mich mit seinen Kopfsteinpflasterpassagen, bei welchem ich regelmäßig mein Getränkesystem verlor, an den Rand der Verzweiflung. Völlig fertig mit den Nerven lief ich beim anschließenden Marathon, nach einem Toilettengang auch noch 1,5 km in die falsche Richtung.

Ich glaube, es ist letztendlich nicht so überaus wichtig, ob man bei einem Rennen besonders gut war, oder einen tollen Platz belegt hat. Entscheidend ist immer die Leidenschaft, die man bei einem Rennen fühlt und es sind doch gerade die Dinge, die nicht so gut laufen und die man dennoch bewältigt hat, denn sie brennen sich für immer ins Herz.

Abschließend möchte ich noch hinzufügen, dass meine Pläne für die Saison 2020 aufgrund der Pandemie ziemlich ungewiss sind. Angemeldet bin ich für den Ironman Lanzarote im Mai und den Ironman Frankfurt Ende Juni, um mich für die WM in Hawaii zu qualifizieren.

Ich werde sehen was geht. Aber manchmal gibt es eben noch wichtigere Dinge als Sport.

Mein Mann ist herztransplantiert und gehört zur Risikogruppe, die sich besonders vor dem Virus schützen muss. Ebenso wie meine über 90jährige Schwiegermutter, die unserem Haushalt lebt. Auf diese beiden geliebten Menschen muss ich jetzt Rücksicht nehmen. Ich hoffe sehr, dass die Maßnahmen, die getroffen werden müssen, greifen und wir Sportler bald wieder an der Startlinie stehen können.

Ein Sieg lässt alle Auf und Abs während einer Mitteldistanz vergessen – Angelika Fanai-Nimmesgern (Mitte) strahlt auf dem Treppchen

Klaus Mannweiler (TSV Wolfratshausen – Leichtathletik)

Herr Mannweiler, als erfolgreicher Langstreckenläufer, der insbesondere in der Königsdisziplin der Leichtathletik, dem Marathon, beheimatet ist, sammeln Sie nicht nur Kilometer, sondern auch Medaillen. Ihre Erfolge 2019 sind beachtlich: unter anderem ein dritter Platz (M50) bei den Deutschen Marathonmeisterschaften. Welche drei Aspekte machen für Sie den Laufsport zur Leidenschaft?

Meine drei Aspekte, die den Laufsport für mich zur Leidenschaft machen, sind:

Mich sportlich effektiv zu betätigen: mit nur circa 2 Stunden pro Tag kann man sich ordentlich auspowern. Um das Gleiche beim Radfahren zu erreichen, wäre man den ganzen Tag unterwegs. So bleibt mehr Zeit für andere Dinge, wie zum Beispiel die Familie. Als Ausgleich zum Job: Beim Laufen bekommt man gut den Kopf frei und kann den Stress vom Job hinter sich lassen. Und die Bewegung in der Natur: Meine Lieblingslaufstrecke ist in der Pupplinger Au. Da hat man Natur pur.

Leistungssport und Beruf unter einen Hut zu bringen ist eine Herausforderung: Welche drei Tipps können Sie diesbezüglich weitergeben?

Am besten, man sucht sich einen Sport aus, bei dem man mit möglichst wenig Zeitaufwand möglichst viel erreicht.

Niemals dem inneren Schweinehund nachgeben.

Und man braucht eine Frau, beziehungsweise Familie, die einem den Rücken frei hält und einen so gut wie möglich unterstützt.

Manchmal erlebt man im Sport das Gefühl des Scheiterns oder der Rückschläge. Welches Erlebnis fällt Ihnen hierzu ein und wie haben Sie das gelöst?

Allzu oft habe ich das ja, Gott sei Dank, noch nicht erlebt.

Natürlich gibt es immer mal wieder Wettkämpfe, bei denen man sein sich selbst gestecktes Ziel nicht erreicht. Manchmal passt einfach die Tagesform nicht oder das Wetter spielt nicht mit. Dann muss man das einfach akzeptieren und es beim nächsten Mal wieder versuchen.

Zum Beispiel musste ich einmal beim Tegernsee-Lauf aus körperlichen Gründen während des Rennens aufgeben. Das fiel mir extrem schwer und ärgerte mich maßlos. Am nächsten Tag ging es mir besser und ich nahm erfolgreich am Osterfelder Kopf-Lauf teil. Das hat mich für meine persönliche Niederlage am Tag vorher entschädigt.

„Das ist mein Lieblingsfoto. Es wurde 2015 von meiner Frau beim Zieleinlauf in Dubai aufgenommen. Dieser Marathon war für mich ein ganz besonderes Erlebnis, das ich wohl niemals vergessen werde.“ – Klaus Mannweiler

Wilhelm Martin (DJK Waldram – Leichtathletik)

Herr Martin, Sie sind im Hoch- und Weitsprung aktiv und erfolgreich, unter anderem holten Sie sich 2019 den deutschen Meistertitel im Hochsprung (M50) und starteten auch auf internationalen Wettkämpfen, wie die Senioren-Europameisterschaft, die 2019 in Venetien stattfand: Was fasziniert Sie an der Leichtathletik, insbesondere an ihrer Disziplingruppe, und bewegt Sie dazu konstant im Wettkampfsport aktiv zu sein?

Die Leichtathletik ist und war für mich schon immer ein Teil meines Lebens. Mein 11 Jahre älterer Bruder Rudolf war und ist mein großes Vorbild. Der war guter Hochspringer.

Ich habe das Olympische Internat, die Oberfachschule für Sport und die Pädagogische Hochschule absolviert und arbeite nun als Sportlehrer an der Schule. Außerdem trainiere ich die Kinder und Jugendlichen in verschiedenen Altersgruppen beim DJK Waldram-Wolfratshausen.

Bis jetzt mit vollem Einsatz, Begeisterung und Leidenschaft.

Wie integrieren Sie Ihr Training im Alltag? Welche Herausforderungen erwarten Sie dabei?

Ganz einfach: Montag, Dienstag, Mittwoch (zwei Mal), Donnerstag, Freitag und Sonntag Training. Ich stelle mich immer wieder neuen Herausforderungen und bestimme immer wieder die neue Ziele dazu, z.B. beim Hürdensprint und Weitsprung deutscher Meister zu werden, auf die Hochsprung-EM und -WM fokussieren.

Zum Leistungssport gehören oftmals auch Rückschläge. Welches prägende Beispiel fällt Ihnen hierbei ein und wie sind Sie damit umgegangen?

Ständig mit den Gedanken dem Vergangenen nachhängen? Nein, auf keinen Fall. Wer nach vorne sehen will, darf nicht nach hinten denken.

Hoch hinaus! – Wilhelm Martin bei der Senioren-Europameisterschaft 2019 in Venetien

Danke an die Athlet*innen, die sich die Zeit genommen haben und die Interviewfragen beantwortet haben. Die Stadt Wolfratshausen wünscht für die sportliche Zukunft nur das Beste!

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