Daumen hoch: von A nach B mit Mitfahrerbänken

Seit Kurzem gibt es in Wolfratshausen verteilt fünf neue, etwas ungewöhnliche Bänke: An einer Stange prangt ein rotes M, darunter sind blaue Schilder mit Ortsnamen befestigt, zwischen denen man hin- und herblättern kann. Dahinter steckt das Projekt „Mitfahrerbank“, das es (nicht nur) Senioren einfacher machen soll, günstig und unkompliziert von A nach B zu kommen. Sibylle Gruber ist für die Wolfratshauser Bänke zuständig. Hier erzählt sie von ihrem Herzensprojekt: Wo geht es hin, wie geht es weiter und wie sorge ich als Fahrgast und als Fahrer für meine Sicherheit?

Liebe Frau Gruber, das wichtigste vorweg: Wo stehen die Bänke und wo geht es überall hin?

Bis jetzt gibt es in vier Stadtteilen von Wolfratshausen je eine Bank mit verschiedenen Zielen:

  • Innenstadt: Einfahrt Loisachufer – Pumphäuserl
    mit Zielwegweisern Richtung Farchet, Waldram, Weidach, Dorfen/Icking, Münsing, Egling, Geretsried und Eurasburg
  • Weidach: Weidacher Hauptstraße – gegenüber der Feuerwehr
    mit Schildern Richtung Dorfen/Icking, Farchet, Waldram und Innenstadt
  • Farchet: Kräuterstraße Höhe Stadion
    mit Schildern Richtung Innenstadt, Weidach, Waldram und Geretsried
  • Waldram: Prälat Maier Platz
    mit Schildern Richtung Innenstadt, Farchet, Weidach und Geretsried

    In Waldram steht die neue Bank mit dem roten M zentral am Prälat Mayer Platz. (c) Stadt Wolfratshausen

Es wurde in der Planung viel überlegt, welche Ziele auf den Zielwegweisern stehen sollen. Sollte das gewünschte Ziel nicht genau darunter sein, dann kann im Gespräch zwischen Fahrer und dem Mitgenommenen persönlich besprochen werden, wo derjenige gern hin, bzw. aussteigen möchte. Einige Bänke sind standortmäßig vernetzt. Doch nicht überall, wo man durch die Zielwegweiser hinkommt, stehen Bänke für eine mögliche Rückfahrt. Das liegt auch daran, dass die Stadt nicht ohne weiteres überall Bänke aufstellen darf.

Sind noch mehr Bankerl geplant? Wo werden die dann stehen?

In Planung ist auf jeden Fall noch ein Standort im Gewerbegebiet, beim XXXLutz Höhe Parkhaus mit Schildern in Richtung Altstadt, Farchet, Waldram, Geretsried, Münsing und Weidach. Wenn sonst noch neue Bankerl entstehen, erfahren Sie das über die sozialen Medien der Stadt und durch die Presse.

Wie sind Sie auf die Idee mit den Mitfahrbänken gekommen? Was versprechen Sie sich von dem Projekt?

Ziel der Mitfahrerbänke ist es nicht nur, von „A nach B“ zu kommen, ohne vom öffentlichen Nahverkehr abhängig zu sein, sondern auch nachbarschaftlich Bekanntschaften zu schließen oder  regelmäßig längerfristig Fahrgemeinschaften zu gründen. Wenn man sich einmal ansieht, wie viele Menschen alleine in ihrem Fahrzeug sitzen, kommt zu der sozialen Funktion der Bänke sicherlich auch ein großer Umweltaspekt.

Federführend hat der Behindertenbeauftragte Ralph Seifert das Projekt in Zusammenarbeit mit dem Seniorenbeirat des Landkreises ins Leben gerufen. Natürlich sind die Mitfahrerbänke aber nicht nur für Seniorinnen und Senioren gedacht. Jeder kann sie nutzen.

Werden die Bänke angenommen? Gibt es schon Erfahrungsberichte?

Viele Städte und Gemeinden in Deutschland haben bereits Mitfahrerbänke aufgestellt und in vielen Gebieten finden diese auch großen Zuspruch unter den Bürgerinnen und Bürgern. Allein im Landkreis Bad Tölz-Wolfratshausen gibt es schon 30 Stück.

Was für ein Verhalten wünschen Sie sich von den Nutzern des Angebots?

Viele sehen eine Gefahr darin, zu Fremden ins Fahrzeug zu steigen, doch hier handelt jeder selbst in seiner eigenen Verantwortung. Uns ist deutschlandweit kein einziger Fall von Kriminalität im Zusammenhang mit den Mitfahrerbänken bekannt. Verlassen Sie sich also auf Ihre Intuition und probieren Sie es einfach mal aus! Und bei uns in Wolfratshausen kennt man sich ja oft auch vom Sehen aus dem jeweiligen Stadtgebiet.

Es kam auch schon die Frage auf, was tue ich, wenn Kinder auf der Bank sitzen und mitgenommen werden wollen. Hier ist es wichtig, dass die Eltern mit ihren Kindern über die Möglichkeit des Trampens sprechen, und es ihnen erlauben, oder eben nicht. Der potenzielle Mitnehmer kann das nicht entscheiden.

Von Weidach aus gelangt man beispielsweise nach Dorfen und weiter nach Icking. Wo genau man dort hin will, macht man am besten mit dem Fahrer persönlich aus. (c) Stadt Wolfratshausen

Was sollte man als Fahrer beachten, wenn man bereit ist jemanden mitzunehmen?

Haben Sie keine Angst! Gefährlich ist das Mitnehmen nicht, wenn man ein bisschen auf sein Bauchgefühl hört.

Das bestätigt übrigens auch der Wolfratshauser Polizeichef Andreas Czerweny:
„Weder bei uns im Landkreis, noch irgendwo in Oberbayern wurde in den letzten Jahren auch nur ein einziger Fall von Kriminalität im Zusammenhang mit Trampern oder Mitfahr-Bänken gemeldet.“

Und auch im Falle eines Unfalls ist man in der Regel abgesichert: In jeder normalen KFZ-Versicherung ist eine Beifahrerhaftpflichtversicherung enthalten. Wen immer Sie mitnehmen ist also im Falle eines Unfalls genauso geschützt wie Kollegen, Freunde oder Ihre Familie, wenn sie bei Ihnen mitfahren.

Damit es gar nicht erst so weit kommt, haben wir in Zusammenarbeit mit der Wolfratshauser Polizeiinspektion zehn gute Tipps für Fahrer und Mitfahrer zusammengestellt. Zum Herunterladen einfach klicken: Mitfahrbankerl aber sicher – 10 Tipps

An wen kann ich mich wenden, wenn ich an einer Mitfahrbank Schäden oder Probleme entdecke?

Sollten Ihnen Schäden an Bänken auffallen oder es Probleme geben können Sie sich gerne an mich wenden. Erreichbar bin ich unter der Nummer 08171/214 231 oder unter der Mail-Adresse sibylle.gruber@wolfratshausen.de. Für die Wartung ist der städtische Bauhof zuständig.

Vielen Dank, Frau Gruber!

 


Per Mitfahrbank durch Bad Tölz-Wolfratshausen?
Aber sicher!

Es gibt einige Tricks, wie man bei der Nutzung von Mitfahrbänken, genau wie beim Trampen, auf Nummer sicher geht.
Die wichtigsten haben wir einmal zusammengefasst — und das mit Gütesiegel der Polizei!

  • Angehörige auf dem Laufenden halten!
    In einem Satz: Es sollte immer jemanden geben, der weiß wo man ist und was man vorhat.
    Es genügt schon eine Kurznachricht per SMS, WhatsApp oder Facebook: „Fahrer gefunden, müsste in 20 Minuten zu Hause sein“.
  • Kennzeichen notieren oder gleich verschicken!
    So gibt es jemanden, der genau weiß, in welchem Auto man gerade unterwegs ist.
    Wer sehr nervös ist, schreibt diese SMS einfach gleich am Anfang der Fahrt und schön auffällig. Dann weiß der Fahrer gleich, dass es jemanden gibt, der von der Tour weiß – und der sich Sorgen macht, sollte man sich plötzlich nicht mehr melden.
  • Für den „Notfall“ vorbereitet sein!
    Auch hier ist natürlich nicht gemeint, dass man sich auf Überfälle oder ähnliches einstellen muss.
    Durchaus möglich ist es jedoch, dass man in einer ländlichen Gegend nicht ganz bis ans Ziel kommt. Daher ist es immer gut, eine kleine Bargeldreserve dabei zu haben, so dass man zur Not mit Bahn, Bus oder Taxi weiter reisen kann.
  • Sicher ein- und aussteigen!
    Bei der Wahl des Tramp-Orts sollte man darauf achten, dass ein Fahrer den Verkehr nicht behindert, wenn er für einen anhält. Die Standorte der offiziellen Mitfahrbänke sind unter diesem Gesichtspunkt gewählt, doch das gilt natürlich nicht nur für das Ein- sondern auch für das Aussteigen. Haltebuchten oder breite Seitenstreifen sind hier sichere Plätze. Es muss genug Platz sein, die Tür zu öffnen und ein Blick in den Rückspiegel schadet hier auch als Beifahrer nicht.
  • Auf das Bauchgefühl hören!
    Natürlich darf man nur bei Leuten mitfahren, die einem vertrauenswürdig erscheinen. Damit ist weniger gemeint, dass man auf fies grinsende Typen mit Narben im Gesicht treffen könnte, denn es wurden deutschlandweit schon seit Jahren keine Fälle mehr von „Tramper-Kriminalität“ gemeldet. Was jedoch durchaus sinnvoll ist, auf Fahrweise und auf das Benehmen der Person am Steuer zu achten. Wirkt er oder sie verwirrt, fährt unsicher, viel zu rasant oder gar in Schlangenlinien, gefährdet er sich und potenzielle Mitfahrer und man sollte ihn selbstverständlich meiden.
    Ebenfalls ist es eine gute Idee, sich vor dem Einsteigen einen kurzen Eindruck von der Beschaffenheit des Wagens zu verschaffen. Sieht er aus, als hätte er den TÜV zuletzt im letzten Jahrtausend gesehen? Dann man vielleicht sicherheitshalber freundlich ablehnen und auf den nächsten Fahrer warten.

Wie immer gilt hier: den gesunden Menschenverstand einschalten. Wenn ein Fahrer oder auch sein Auto nicht vertrauenswürdig erscheint, darf man nicht einsteigen – so einfach ist das. Und auch als Fahrer kann man Sicherheitsvorkehrungen treffen, die leicht umzusetzen sind und einem ein sicheres Gefühl geben. Hier eine Liste:

  • Angehörige informieren!
    Bestimmen Sie doch vorher einen Freund oder ein Familienmitglied, dem Sie in solchen Fällen per Nachricht oder Telefonanruf ihr Vorhaben und ihr Ziel mitteilen können. Sie können mit der anderen Person auch ein Telefonat nach Ankunft verabreden. Für den sehr unwahrscheinlichen Fall, dass Sie nicht wohlbehalten zuhause ankommen, können Sie so sichergehen, dass jemand Sie vermisst und bei fehlender Rückmeldung die Polizei ruft. Natürlich müssen Sie dann auch erreichbar sein und dürfen nicht vergessen, Entwarnung zu geben wenn dann alles geklappt hat, damit keine Fehlalarme entstehen.
  • Ausweis zeigen lassen!
    Sollten Sie unsicher sein, lassen Sie sich einfach den Ausweis Ihres Fahrgastes zeigen und verschicken Sie vielleicht sogar die Ausweisdaten an jemanden Vertrauten. Dass ein Mitfahrer es nicht gut mit Ihnen meint, ist heutzutage wie gesagt sehr unwahrscheinlich, aber es gibt Ihnen Sicherheit. Und falls die andere Person doch etwas Kriminelles vorgehabt haben sollte, dann wird sie es sich spätestens jetzt anders überlegen.
  • Vorsichtig stehenbleiben!
    Alle offiziellen Mitfahrbänke stehen an Stellen, wo das Anhalten in der Regel problemlos möglich ist. Achten Sie bitte dennoch darauf, nicht plötzlich anzuhalten, sondern zuerst in den Rückspiegel zu blicken, dann den Blinker zu setzen und behutsam abzubremsen. So hat auch der Bankerl-Nutzer Zeit, in Ihnen eine willige Mitfahrmöglichkeit zu erkennen und sich für das Einsteigen bereitzumachen.
  • An sinnvollen Orten absetzen!
    Auch hier gilt: Sicherheit geht vor! Klären Sie am besten gleich mit dem Mitfahrer oder der Mitfahrerin, wo genau das Ziel liegt. So können Sie sich beide einen geeigneten Punkt überlegen, an dem das Aussteigen gefahrlos möglich ist. Vielleicht stellen Sie ja auch fest, dass Sie zufällig nicht nur den Weg zur gewünschten Ortschaft teilen, sondern Ihren Gast sogar ganz bis zum Ziel mitnehmen können.
  • Wenn Sie jemanden auf der Bank sitzen sehen, ihn aber nicht mitnehmen können…
    Zeigen Sie guten Willen und geben Sie ein Zeichen! Zeigen Sie beispielsweise mit dem Zeigefinger nach unten. Zumindest erfahrene Tramper wissen dann, dass Sie ihnen nicht weiterhelfen können weil Sie nur in der Nähe unterwegs sind. Auch ein freundliches Lächeln oder Zunicken ist eine echte Aufmunterung für jemanden, der schon länger vergebens wartet. Einfach ausgedrückt: Zeigen Sie, dass sie helfen würden, wenn Sie könnten, damit wir alle nicht den Mut verlieren, das Trampen zu versuchen. Es geht hier schließlich nicht nur darum, einem fremden Menschen einen Gefallen zu tun. Autofahrer die jemanden mitnehmen helfen auch ganz direkt mit, dass ein paar weniger Autos unsere Straßen verstopfen und unsere Luft verpesten.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

*
*
Website